Otto
von
guericke

Otto von guericke

1602 bis 1686

Icon_Wappen_Guericke

Magdeburg, die über 1200 Jahre alte Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, ist bis heute untrennbar mit Otto von Guericke verbunden, der hier im 17. Jahrhundert – dem Zeitalter des Aufbruchs in die Neuzeit – lebte und wirkte. Otto von Guericke stellte sein Leben konsequent in den Dienst seiner Heimatstadt. Über 50 Jahre war er Mitglied des Rates der Alten Stadt Magdeburg und übernahm dabei vielfältige Aufgaben, unter anderem als Bauherr, Ingenieur, Kämmerer und Scholarch. Besonders prägend war seine 30-jährige Amtszeit als einer der vier Bürgermeister. In dieser Funktion vertrat er Magdeburg über zwei Jahrzehnte hinweg auf diplomatischen Missionen an zentralen Schauplätzen der europäischen Geschichte und setzte sich erfolgreich für den Wiederaufbau sowie für wirtschaftliche und juristische Privilegien der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Stadt ein.

Neben seiner politischen Tätigkeit widmete sich Otto von Guericke intensiv den Naturwissenschaften. Als Naturphilosoph und Astronom begründete er mit der Entwicklung der ersten Vakuumluftpumpe die Vakuumtechnik und gilt in Deutschland als Begründer der Experimentalphysik. Mit der Erfindung der ersten Elektrisiermaschine wurde er zudem zum Vater der Elektrostatik. Seine berühmten Experimente stellte er stets in den Dienst seiner Heimatstadt.

Auch persönlich übernahm Guericke Verantwortung: Nach der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 baute er den vollständigen Verlust seines Besitzes mit großem Einsatz wieder auf und sicherte seine Stellung später durch den Adelstitel. Die Neuen Magdeburger Experimente, insbesondere der Große Magdeburger Halbkugelversuch, sind bis heute weltweit in Fachliteratur und Schulbüchern präsent.

Im
DienstE
Magdeburgs

Bürgermeister, Diplomat
& Naturforscher

Leben zwischen Stadtgeschichte, Politik und Wissenschaft

Guericke

Otto von Guericke, der am 30. November 1602 (20. November nach Kalender alten Stils) mit dem Namen Otto Gericke als Sohn Hans Gerickes aus Magdeburg und Margaretha Zweydorfs aus Braunschweig geboren wurde, ist eng mit der Geschichte der Stadt Magdeburg im 17. Jahrhundert verflochten.

Er erlebte ihre Zerstörung 1631 und den schweren Wiederaufbau bis 1680. In dieser Zeit war er in seiner alten Stadt 50 Jahre Ratsherr, davon 30 Jahre Bürgermeister und 20 Jahre als Diplomat in Mitteleuropa unterwegs. So nahm er erfolgreich an den Westfälischen Friedensverhandlungen von 1646 bis 1649 teil, hatte Audienzen bei Fürsten und Kaisern.

Hier setzte er auch seine Magdeburger Versuche ein, um über die kuriosen Experimente zu diplomatischen, Magdeburg betreffenden Gesprächen und Verhandlungen zu kommen. Diese Magdeburger Versuche mit der Vakuumluftpumpe, dem Galgenversuch, dem Wettermännchen, der Schwefelkugel und natürlich den Magdeburger Halbkugeln machten ihn als Naturforscher, Erfinder und Ingenieur europaweit bekannt.

Lebensstationen Otto von Guerickes

1602 bis 1624
Herkunft und Ausbildung

Otto von Guericke wurde am 20. November (jul.) / 30. November (greg.) 1602 in Magdeburg als Sohn des Kaufmanns und Ratsherrn Hans Gericke und Anna von Zweydorff geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 1620 studierte er bis 1624 an den Universitäten Leipzig, Helmstedt, Jena und Leiden. Diese Studienjahre prägten sein naturwissenschaftliches und philosophisches Denken nachhaltig.

1626 bis 1630
Familiengründung 
und Einstieg ins 
öffentliche Leben

1626 begann Guerickes lebenslange Bindung an die Stadtpolitik Magdeburgs mit der Aufnahme in den Rat der Stadt als Bauherr. Im selben Jahr heiratete er Margaretha Alemann. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, darunter Otto junior und Jacob Christoph, der jedoch früh verstarb.

 

1631 bis 1641
Krieg, Zerstörung
und Neuanfang

Die Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 durch Tillys Truppen markierte einen tiefen Einschnitt in Guerickes Leben. Er geriet in Gefangenschaft, konnte seine Familie freikaufen und floh zunächst nach Braunschweig. In den folgenden Jahren arbeitete er als Ingenieur in schwedischen und später kursächsischen Diensten. Bereits 1632 fertigte er einen maßstäblichen Stadtplan der zerstörten Stadt an. 1641 kehrte er endgültig in den Dienst Magdeburgs zurück und wurde Stadtkämmerer.

1642 bis 1676
Bürgermeister &
Diplomat

Zwischen 1642 und 1663 war Otto von Guericke über zwanzig Jahre hinweg auf diplomatischen Missionen für Magdeburg unterwegs. 1646 wurde er zum vierten Bürgermeister der Stadt ernannt, ein Amt, das er drei Jahrzehnte lang ausübte. Er nahm unter anderem an den Westfälischen Friedensverhandlungen teil und setzte sich bei Fürsten und Kaisern für den Wiederaufbau sowie für die wirtschaftlichen und rechtlichen Privilegien Magdeburgs ein. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1652 Dorothea Lentke.

1654 bis 1672
Wissenschaftliche
Arbeit und europäische Anerkennung

Parallel zu seinen politischen Aufgaben widmete sich Guericke intensiv naturwissenschaftlichen Experimenten. Ab 1654 führte er seine berühmten Vakuumversuche öffentlich vor, unter anderem auf dem Reichstag in Regensburg. Seine Forschungen fanden Eingang in wissenschaftliche Veröffentlichungen, zunächst über Gaspar Schott, später in seinem eigenen Werk Experimenta Nova Magdeburgica de Vacuo Spatio. In dieser Zeit entstanden auch die elektrischen Versuche mit der Schwefelkugel. 1666 wurde er von Kaiser Leopold I. geadelt und führte fortan den Namen Otto von Guericke.

1676 bis 1686
Letzte Jahre

Aus gesundheitlichen Gründen lehnte Guericke 1676 eine weitere Amtsübernahme als regierender Bürgermeister ab. 1681 zog er zu seinem Sohn nach Hamburg, wo er am 11. Mai (jul.) / 21. Mai (greg.) 1686 verstarb.

Denkmäler und Büsten

1811 - Otto-von-Guericke-Büste in der Walhalla bei Regensburg
1896 - Otto-von-Guericke-Büste für die Weltaustellung in Paris
1907 - Otto-von-Guericke-Denkmal in Magdeburg
2002 - Großplastik zum Magdeburger Halbkugelversuch in Magdeburg

Kunstprojekte, Münzen, Briefmarken

1936 - Otto-von-Guericke-Plakette, Stadt Magdeburg
1936 - Briefmarke 6 Pf., Deutsches Reich
1977 - Münze 10 Mark, DDR
2002 - Briefmarke 153 Pf. der Deutschen Post
2002 - Straßenkunst: individuell gestaltete Halbkugeln

Preise

Otto von Guericke-Preis und -Medaille - Vergabe durch die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen AiF
Otto-von-Guericke Forschungspreis - jährliche Vergabe durch Otto-von-Guericke-Univeristät Magdeburg
Otto-von-Guericke Ehrenplakette - jährliche Vergabe durch die Otto-von-Guericke-Gesellschaft

Bildungseinrichtungen

Otto-von-Guericke-Univeristät Magdeburg
Berufsbildende Schulen "Otto von Guericke" Magdeburg
Otto-von-Guericke-Oberschule Berlin

Guerickestraße

01257 - Dresden  //  01471 - Radeburg  //  06686 - Lützen  //  09116 - Chemnitz, Sachsen  //  10587 - Berlin  //  21337 - Lüneburg  //  23566 - Lübeck //  24537 - Neumünster, Holstein  //  30655 - Hannover  // 32257 - Bünde  // 32791 - Lage, Lippe  // 33334 - Gütersloh  // 39307 - Genthin  // 51065 - Köln  // 60488 - Frankfurt am Main  // 66123 - Saarbrücken  // 79108 - Freiburg im Breisgau  // 80805 - München  // 85057 - Ingolstadt, Donau  // 92421 - Schwandorf, Bayern  // 93053 - Regensburg  // 99610 - Sömmerda Gera

Guericketreppe

42119 - Wuppertal

Guerickeweg

22307 - Hamburg  // 40591 - Düsseldorf  // 42119 - Wuppertal  // 48159 - Münster, Westfalen  // 64291 - Darmstadt

Otto-von-Guericke-Allee

39179 - Barleben

Otto-von-Guericke-Ring

49811 - Lingen (Ems)  // 65205 - Wiesbaden 

Otto-von-Guericke-Straße

03130 - Spremberg, Niederlausitz  // 03249 - Sonnewalde  // 04451 - Borsdorf an der Parthe  // 04509 - Delitzsch  // 06118 - Halle (Saale)  // 07552 - Gera  // 17033 - Neubrandenburg, Mecklenburg  // 19063 - Schwerin, Mecklenburg  // 27356 - Rotenburg (Wümme)  // 38122 - Braunschweig  // 38855 - Wernigerode  // 39104 - Magdeburg  // 49076 - Osnabrück  // 49134 - Wallenhorst  // 53757 - Sankt Augustin

Unternehmen / Vereine

Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen AiF e.V. "Otto von Guericke" Magdeburg

 Astronomische Objekte

1935 - Mondkrater Guericke